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Vegane Lebensmittel: Plötzlich wird jeder zum Ernährungswissenschaftler

1. Sept.
5 Min. Lesezeit
"Lebensmitteltechnikerin untersucht vegane Lebensmittel mit einer Lupe

Vegane Lebensmittel werden oft kritischer geprüft als vergleichbare tierische Produkte.


Sobald irgendwo „vegan“ draufsteht, beginnt die Untersuchung.


Was ist da drin? Ist das gesund?

Ist das nicht hochverarbeitet?

Woher kommt das Protein? Und so weiter.


Plötzlich wird jedes Bindemittel, jedes Öl und jedes Gewürz seziert.


Bei Wurst?


Oft erstaunliche Ruhe.


Ein veganer Aufstrich mit wenigen Zutaten wird kritisch beäugt. Eine Wurst aus zerkleinertem Muskelgewebe, Fett und weiteren Bestandteilen eines getöteten Tieres, dazu Salz, Gewürze und je nach Produkt Zusatzstoffe, landet dagegen ganz selbstverständlich auf dem Brot.


Natürlich gibt es Menschen, die grundsätzlich genau auf Zutaten achten.


Aber der Unterschied in der Wahrnehmung ist auffällig:


Tierisch gilt als normal. Vegan muss erklären, warum es existiert.


„Was ist denn da alles drin?“


Diese Frage bekommen vegane Produkte ständig. Und grundsätzlich ist sie völlig berechtigt.


Lebensmittel sollten transparent sein.


Nur müsste die Frage dann konsequenterweise auch bei Wurst, Käse, Fertiggerichten, Süßigkeiten und Tiefkühlpizza gestellt werden.


Stattdessen scheint manchmal schon das Wort „vegan“ eine Art Alarmanlage auszulösen.


Cashews, Wasser, Salz und Gewürze?


„Was ist denn da alles drin?“


Zerkleinertes Muskelgewebe eines Schweins, Fett, Salz und Zusatzstoffe?


„Lecker, Wurst.“


Vielleicht liegt ein Teil des Problems schon in der Sprache.


Denn „Fleisch“ klingt sauber, neutral und nach Lebensmittel.


Kaum jemand denkt bei diesem Wort automatisch an Muskelgewebe, Fett, Bindegewebe, Blutgefäße oder daran, dass dieses Gewebe einmal Teil eines lebenden Tieres war.


Aus einem Tier wird sprachlich ein Produkt.

Aus Muskelgewebe wird „Fleisch“.

Aus Körperteilen werden „Filet“, „Schnitzel“, „Steak“ oder „Wurst“.


Und plötzlich wirkt alles erstaunlich weit entfernt von dem, was es tatsächlich ist.


Vegan soll bitte natürlich sein. Aber genauso schmecken wie das Original.


Das ist vielleicht die schönste Forderung überhaupt.


Ein veganes Produkt soll möglichst unverarbeitet sein, kaum Zutaten enthalten, kein Kokosöl, keine Stärke, keine Zusatzstoffe haben, proteinreich sein, billig sein, genauso schmecken wie Käse, genauso schmelzen wie Käse und am besten aus drei Karotten und einem Glas Wasser bestehen.


Während niemand vor einer Salami steht und fragt:


„Warum kann man nicht einfach das natürliche Schwein essen?“


Vegane Produkte sollen sich rechtfertigen, optimieren, beweisen und am besten noch gleichzeitig die Welt retten.


Tierische Produkte dürfen einfach existieren.


„Das ist doch alles hochverarbeitet“


Auch so ein Klassiker.


Verarbeitung ist aber zunächst einmal kein Qualitätsurteil.


Brot ist verarbeitet.

Tofu ist verarbeitet.

Käse ist verarbeitet.

Olivenöl ist verarbeitet.

Schokolade ist verarbeitet.

Kaffee ist verarbeitet.


Entscheidend ist nicht nur, ob etwas verarbeitet wurde.


Entscheidend ist, was drin ist, wie es hergestellt wurde und wie häufig man es isst.


Eine Cashewcreme wird nicht plötzlich problematisch, nur weil Cashews eingeweicht, püriert und mit anderen Zutaten verarbeitet wurden.


Und eine Wurst wird nicht automatisch „natürlich“, nur weil man daran gewöhnt ist.


Und dann kommt das Protein


Kaum sagt jemand, dass er vegan lebt, dauert es oft nicht lange:


„Und wo bekommst du dein Protein her?“


Interessanterweise wird dieselbe Sorge beim Menschen mit Toast, Fleischwurst und Fertigpizza eher selten geäußert.


Protein steckt in Hülsenfrüchten, Soja, Tofu, Tempeh, Seitan, Nüssen, Samen, Getreide und vielen weiteren pflanzlichen Lebensmitteln.


Eine pflanzliche Ernährung sollte sinnvoll zusammengestellt sein.


Aber welche Ernährung sollte das eigentlich nicht?


Wer sich ausschließlich von Currywurst, Käsebrötchen und Schokopudding ernährt, bekommt schließlich auch keinen Gesundheitspreis dafür, dass tierische Zutaten enthalten sind.


Vegan ist kein Synonym für gesund


Und das muss es auch gar nicht sein.


Das ist ein besonders seltsamer Maßstab.


Eine vegane Pizza darf einfach eine Pizza sein.


Ein veganer Burger darf Genuss sein.


Eine Cashewcreme darf cremig, würzig und verdammt lecker sein, ohne gleichzeitig Blutdruck zu senken, Cholesterinwerte zu optimieren und nebenbei das Immunsystem zu retten.


Niemand verlangt von einem Stück Gouda, dass es eine Ernährungsberatung ersetzt.


Warum muss ein veganes Produkt plötzlich beweisen, dass es gesundheitlich überlegen ist?


Vegan bedeutet zunächst einmal nur:


Für dieses Produkt wurden keine tierischen Zutaten verwendet.


Nicht mehr.

Nicht weniger.


„Warum nennt ihr das Käse?“


Auch diese Diskussion ist faszinierend.


Menschen verstehen problemlos:


Erdnussbutter enthält keine Butter.


Kokosmilch kommt nicht aus einer Kokoskuh.


Fleischtomaten bestehen nicht aus Fleisch.


Aber sobald ein pflanzliches Produkt an Käse erinnert, beginnt plötzlich eine sprachwissenschaftliche Grundsatzdebatte.


Dabei geht es meist ziemlich banal darum, wie ein Produkt schmeckt, verwendet wird oder welche Funktion es beim Essen übernimmt.


Sprache verändert sich.


Küche übrigens auch.


Und vielleicht ist genau das das eigentliche Problem: Pflanzliche Produkte zeigen, dass vermeintlich feststehende Kategorien plötzlich gar nicht mehr so feststehen.


Vielleicht nervt gar nicht das vegane Produkt


Vielleicht nervt die Frage, die dahintersteht.


Denn jedes pflanzliche Produkt zeigt ganz nebenbei:


Es geht auch anders.


Und genau das kann unangenehm sein.


Solange Milch, Fleisch und Käse als alternativlos gelten, muss niemand darüber nachdenken.


Sobald daneben eine Alternative steht, entsteht plötzlich eine Wahl.


Und mit einer Wahl kommt automatisch die Frage:


Warum nehme ich eigentlich das eine und nicht das andere?


Vielleicht richtet sich ein Teil der Kritik deshalb gar nicht gegen Haferdrink, Tofu oder veganen Käse.


Vielleicht richtet sie sich gegen dieses kleine, lästige Fragezeichen im Kopf.


Der absurdeste Doppelstandard


Bei tierischen Produkten lautet die Ausgangsposition häufig:


Das haben Menschen schon immer gegessen. Also ist es normal.


Bei veganen Produkten lautet sie:


Beweis erst einmal, dass du eine Daseinsberechtigung hast.


Aber Tradition ist kein Qualitätsmerkmal.


Gewohnheit ist kein Nährstoff.


Und „haben wir immer so gemacht“ war noch nie ein besonders starkes Argument.


Nur weil etwas vertraut ist, wird es nicht automatisch sinnvoller.


Nur weil etwas seit Jahrzehnten im Kühlregal liegt, wird es nicht automatisch natürlicher.


Und nur weil etwas neu wirkt, wird es nicht automatisch schlechter.


Vielleicht sollte sich etwas ganz anderes rechtfertigen


Warum muss sich eine Cashewcreme dafür rechtfertigen, dass sie keine Kuhmilch enthält?


Warum muss ein Sojaschnitzel erklären, warum es wie ein Schnitzel aussehen möchte?


Warum muss ein Haferdrink beweisen, dass er „natürlich genug“ ist?


Vielleicht wäre die interessantere Frage:


Warum gilt ein Lebensmittel automatisch als normal, nur weil dafür ein Tier benutzt wurde?


Und vielleicht sollte auch öfter gefragt werden, warum ein Stück tierisches Muskelgewebe im Kühlregal sprachlich so weit von seinem Ursprung entfernt wurde, dass kaum noch jemand daran denkt, was es eigentlich ist.


Veganes Essen muss nicht perfekt sein.


Es muss nicht jedes tierische Produkt ernährungsphysiologisch übertreffen.


Es muss nicht die Welt retten.


Und es muss sich auch nicht dafür entschuldigen, dass es existiert.


Vielleicht muss sich veganes Essen gar nicht rechtfertigen. Vielleicht ist es längst Zeit, dass sich das vermeintlich „Normale“ ein paar Fragen gefallen lässt.


Lust auf etwas, das sich nicht rechtfertigen muss?


Bei VLOVA machen wir pflanzliche Spezialitäten nicht, um tierische Produkte zu verteidigen, zu erklären oder möglichst kompliziert zu kopieren.


Wir machen sie, weil sie richtig gut schmecken sollen.


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Für Brot, Bowls, Pasta, Burger, Kartoffeln, Gemüse oder einfach direkt aus dem Glas.


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