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Milch: Würdest du sie trinken, wenn sie „Euterdrüsensekret“ hieße?

16. Aug.
7 Min. Lesezeit

Glas Kuhmilch vor dem Euter einer Kuh - Milch als tierisches Euterdrüsensekret.

MILCH. Fünf Buchstaben. Das Wort klingt weich, weiß, rein und vertraut. Nach Frühstück, Kakao und Kindheit. So selbstverständlich, dass kaum jemand innehält und fragt:


Was ist Milch eigentlich wirklich?



Stell dir vor, auf der Packung stünde nicht „frische Vollmilch“, sondern:


Wärmebehandeltes Euterdrüsensekret einer Kuh. Enthält Wasser, Milchzucker, Fett, Casein, Molkenproteine, Mineralstoffe, natürliche Hormone in Spuren und körpereigene Zellen.

Würdest du es genauso selbstverständlich in deinen Kaffee gießen?


„Euterdrüsensekret“ ist kein erfundenes Schockwort


So ungewohnt es klingt: Die Formulierung ist nicht aus einer veganen Werbekampagne. Das deutsche Milch- und Margarinegesetz definiert Milch als das durch Melken gewonnene „Erzeugnis der normalen Eutersekretion“.


Kuhmilch ist also tatsächlich ein Sekret der Milchdrüse einer Kuh. Seine biologische Aufgabe besteht darin, ein Kalb nach der Geburt zu ernähren – so wie die Milch jedes Säugetiers für den eigenen Nachwuchs gebildet wird.


Doch genau hier beginnt die Geschichte, die auf der Milchpackung nicht erzählt wird.


Hinter jedem Glas Milch steht eine Geburt


Eine Kuh gibt nicht einfach Milch, weil sie eine Kuh ist.


Sie muss zunächst trächtig werden und ein Kalb zur Welt bringen. Mit der Geburt beginnt die Laktation – die Zeit, in der ihr Körper Milch für ihr Junges bildet. Ohne Kalb keine Milch.


Das Kalb ist deshalb kein zufälliges Nebenprodukt der Milchindustrie. Es ist die biologische Voraussetzung dafür, dass überhaupt Milch entsteht.


Auf der Verpackung sehen wir später nur die weiße Flüssigkeit. Was vorher geschehen musste, bleibt unsichtbar: Schwangerschaft, Geburt und die körperliche Leistung einer Mutterkuh.


Die Milch ist für das Kalb bestimmt – doch das Kalb bekommt sie meist nicht


Nach Angaben des Thünen-Instituts ist die frühe Trennung von Kuh und Kalb nach der Geburt in der europäischen Milchproduktion die übliche Vorgehensweise. Das betrifft nicht nur konventionelle Betriebe. Auch in der ökologischen Milchviehhaltung werden Kuh und Kalb häufig früh getrennt. Es gibt zwar Betriebe mit mutter- oder ammengebundener Aufzucht, doch sie sind noch immer die Ausnahme.


Das bedeutet: Eine Kuh trägt ihr Kalb rund neun Monate aus, bringt es zur Welt, leckt es ab, riecht es und beginnt eine Bindung aufzubauen. Dann wird ihr das Kalb genommen – damit möglichst viel von der Milch, die ihr Körper für dieses Kalb produziert, verkauft und verarbeitet werden kann.


Das Kalb wird anschließend künstlich aufgezogen oder darf nur begrenzt bei einer Kuh trinken. Die Mutter wird weiter gemolken. Für die nächste Laktation braucht es die nächste Geburt – und damit beginnt der Kreislauf erneut.


Milch entsteht also nicht einfach auf einer grünen Wiese. Sie entsteht durch die kontrollierte Fortpflanzung eines fühlenden Lebewesens und durch die Trennung einer Mutter von ihrem Nachwuchs.


Aus Mutter und Kind werden Produktionsfaktoren


Wir sprechen von „Milchleistung“, „Laktationskurve“ und „vermarktungsfähiger Milch“. Diese Begriffe klingen technisch und effizient. Dahinter stehen jedoch Lebewesen.


Die Kuh wird wirtschaftlich danach bewertet, wie viel Milch ihr Körper liefert. Das Kalb wird danach bewertet, welchen Nutzen es für den Betrieb hat. Die natürliche Mutter-Kind-Beziehung steht dem wirtschaftlichen Ziel entgegen, möglichst viel Milch für den menschlichen Konsum verfügbar zu machen.


Genau darin liegt das ethische Problem: Die Fortpflanzung der Kuh, ihre Mutterschaft und ihr Körper werden für unsere Zwecke kontrolliert. Ihr Kalb wird ihr nicht genommen, weil es die Milch nicht bräuchte, sondern weil wir sie haben wollen.


Ist das Ausbeutung?


Ja. Aus ethischer Sicht ist es schwer, dieses System anders zu nennen.


Ein Lebewesen wird trächtig gemacht, bringt ein Junges zur Welt, wird von ihm getrennt und anschließend so lange gemolken, wie sein Körper wirtschaftlich verwertbare Milch liefert. Danach beginnt der Kreislauf erneut.


Manche Menschen sprechen deshalb sogar von Versklavung. Dieser Begriff ist historisch stark belastet und sollte nicht leichtfertig verwendet werden. Die Frage dahinter ist trotzdem berechtigt: Wie nennen wir ein System, in dem wir über Fortpflanzung, Mutterschaft, Körper und Lebensweg eines fühlenden Wesens bestimmen, um daraus Gewinn und Genussmittel zu erzeugen?


Mindestens ist es systematische Ausbeutung. Und sie endet nicht beim Glas Milch.


Käse, Joghurt, Butter – das Leid wird weiterverarbeitet


Milch steckt in unzähligen Produkten: Käse, Joghurt, Sahne, Butter, Eis, Schokolade, Gebäck, Fertiggerichten und Soßen und noch viel mehr. Dadurch konsumieren viele Menschen deutlich mehr Milch, als ihnen bewusst ist.


Für die Herstellung von einem Kilogramm Hartkäse werden ungefähr zehn Kilogramm Milch benötigt. In einem Stück Käse steckt deshalb nicht nur konzentrierte Milch, sondern auch ein konzentrierter Teil dieses gesamten Produktionssystems.


Die Verarbeitung verändert Geschmack, Konsistenz und Verpackung. Sie ändert aber nichts an der Herkunft. Auch Käse beginnt mit einer Schwangerschaft, einer Geburt und meistens mit der Trennung von Kuh und Kalb.


Was tatsächlich in Kuhmilch steckt


Milch wird gern auf Calcium, Eiweiß und Vitamine reduziert. Doch diese Nährwertliste lässt das Entscheidende aus: Kuhmilch ist ein tierisches Körpersekret. Es entsteht im Körper einer Mutterkuh nach der Geburt ihres Kalbes und dient biologisch der Ernährung dieses Kalbes.

Nach Angaben des Max Rubner-Instituts enthält Vollmilch mit 3,5 Prozent Fett je 100 Gramm ungefähr:


  • rund 87 Prozent Wasser

  • 4,7 Gramm Kohlenhydrate, überwiegend Milchzucker beziehungsweise Laktose

  • 3,6 Gramm Fett

  • 3,4 Gramm Eiweiß

  • etwa 120 Milligramm Calcium

  • außerdem unter anderem Vitamin B2, Vitamin B12, Jod und Zink


Ein Glas mit rund 250 Millilitern liefert damit ungefähr zwölf Gramm Milchzucker. Das Milcheiweiß besteht zu etwa 80 Prozent aus Casein und zu etwa 20 Prozent aus Molkenproteinen. Beim Milchfett handelt es sich überwiegend um gesättigte Fettsäuren.

Diese Zahlen beschreiben, was chemisch im Glas ist. Sie erzählen jedoch nicht, wem diese Milch biologisch zugedacht war und unter welchen Bedingungen sie gewonnen wurde.


Ja, Milch liefert Nährstoffe. Aber Nährstoffe machen ein Ausbeutungssystem nicht unbedenklich. Calcium, Eiweiß und andere Nährstoffe sind nicht exklusiv an Kuhmilch gebunden. Eine Nährwerttabelle kann deshalb niemals die ethische Rechnung ersetzen: Was in der Milch steckt, lässt sich nicht von dem trennen, was hinter ihr steckt.


Hormone – weil Milch aus einem lebenden Körper stammt


Kuhmilch enthält von Natur aus Hormone, darunter Progesteron und Östrogene. Das ist kein zufälliger Fremdstoff, sondern eine Folge ihrer Herkunft: Milch ist ein Sekret aus dem Körper eines fortpflanzungsfähigen Säugetiers. Die Mengen schwanken unter anderem mit Zyklus, Trächtigkeit und Laktationsphase der Kuh.


Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht bei üblichem Milchkonsum durch diese natürlichen Hormongehalte nach derzeitigem Wissensstand kein relevantes Gesundheitsrisiko. Doch „nicht als Gesundheitsgefahr bewertet“ bedeutet nicht „ethisch unbedenklich“. Der Hormongehalt ist vor allem eine Erinnerung daran, was das weiße Produkt tatsächlich ist: ein Körpersekret, das mit Schwangerschaft, Geburt und Laktation verbunden ist.


Körperzellen – die biologische Realität im Glas


In Rohmilch kommen sogenannte somatische Zellen vor. Dazu gehören Immunzellen und abgestoßene Epithelzellen aus dem Euter. Ihre Anzahl gilt als wichtiges Merkmal für die Eutergesundheit. Steigt sie deutlich an, kann das auf eine Entzündung des Euters hinweisen.

Für rohe Kuhmilch gilt in der EU ein Qualitätskriterium von höchstens 400.000 somatischen Zellen pro Milliliter – berechnet als geometrischer Mittelwert über drei Monate. Das bedeutet nicht, dass Milch wissenschaftlich korrekt als „Eiter“ bezeichnet werden kann. Dieser Begriff wäre ungenau. Es bedeutet aber sehr wohl, dass tierische Immun- und Körperzellen zur biologischen Realität von Rohmilch gehören.


Verschwinden diese Zellen beim Erhitzen?


Nein. Pasteurisierung ist eine Wärmebehandlung – kein Filterverfahren. Durch die Hitze verlieren somatische Zellen weitgehend ihre Lebensfähigkeit oder werden geschädigt. Sie lösen sich dadurch jedoch nicht einfach auf: Zellen und ihre Bestandteile werden durch das bloße Erhitzen nicht aus der Milch entfernt. Appetitlich, oder?


Man muss die Fakten nicht verfälschen, um sie drastisch zu finden: Kuhmilch ist keine neutrale weiße Flüssigkeit. Sie ist ein kontrolliertes tierisches Drüsensekret, dessen Zellgehalt auch etwas über den Zustand des Euters verrät.


Antibiotika – keine Zutat, aber Teil des Systems


Antibiotika sind kein regulärer Inhaltsstoff von Milch. Wird eine Kuh behandelt, gelten Wartezeiten. Rohmilch wird auf sogenannte Hemmstoffe untersucht und darf nicht in Verkehr gebracht werden, wenn zulässige Rückstandshöchstmengen überschritten sind.

Doch diese Kontrollen existieren aus einem Grund: In der Milchproduktion werden lebende Tiere gehalten, sie erkranken und werden mit Medikamenten behandelt. Eine gesetzeskonforme Packung Milch darf keine unzulässigen Antibiotikarückstände enthalten. Das beantwortet aber lediglich eine lebensmittelrechtliche Frage – nicht die moralische Frage nach dem System, aus dem sie stammt.


Molkereien klären Milch häufig bereits vor der Wärmebehandlung mithilfe von Filtern oder Zentrifugen. Dabei kann ein Teil der Leukozyten und anderer somatischer Zellen abgetrennt werden – aber nicht automatisch alle. Was bei dieser Klärung nicht entfernt wurde, bleibt als Zelle oder Zellbestandteil in der Milch.


Gesetzlich kontrolliert bedeutet nicht ethisch unbedenklich. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob jeder einzelne Bestandteil der Milch akut gefährlich ist. Die Frage ist, ob wir ein Körpersekret konsumieren wollen, dessen Gewinnung Schwangerschaft, Geburt, Trennung und die wirtschaftliche Nutzung einer Mutterkuh voraussetzt.


Warum heißt es dann „Milch“ – und nicht Euterdrüsensekret?


Weil „Milch“ der seit Jahrhunderten gebräuchliche Name ist. Das Wort ist zudem gesetzlich geschützt. Nach EU-Recht ist die Bezeichnung grundsätzlich dem durch Melken gewonnenen Erzeugnis der normalen Eutersekretion vorbehalten. Pflanzliche Alternativen müssen deshalb meistens „Drink“ heißen.


Das ist keine geheime Täuschung. Trotzdem macht Sprache etwas mit unserer Wahrnehmung.


„Milch“ klingt vertraut. „Euterdrüsensekret“ beschreibt die biologische Herkunft.

Beides meint dasselbe Produkt – aber nur eines der beiden Wörter lässt uns kurz darüber nachdenken, was wir da eigentlich trinken.


Die Ironie daran: Der Haferdrink muss sprachlich erklären, dass er keine Milch ist. Das tierische Drüsensekret bekommt dagegen den kurzen, vertrauten Namen.


Würdest du es trinken, wenn du all das wüsstest?


Die entscheidende Frage lautet nicht nur, ob Kuhmilch essbar ist oder Nährstoffe enthält.


Die ehrlichere Frage ist:


Würde Kuhmilch für uns genauso natürlich, rein und appetitlich wirken, wenn auf jeder Packung auch die Mutterkuh und das Kalb zu sehen wären, die für dieses Produkt voneinander getrennt wurden?


Würden wir sie genauso selbstverständlich trinken, wenn dort stünde:

Für dieses Euterdrüsensekret musste eine Kuh ein Kalb gebären. Die Milch, die ihr Körper für dieses Kalb produzierte, wurde für uns abgemolken und weiterverarbeitet.

Milch ist kein neutrales Produkt. Sie ist das Ergebnis einer Entscheidung: Wir stellen unseren Geschmack und unsere Gewohnheit über die Mutterschaft, die Bindung und die körperliche Selbstbestimmung eines anderen Lebewesens.


Das sollten wir nicht beschönigen.


Wir können wegsehen, weil es immer so war. Oder wir können anfangen, die Geschichte hinter dem weißen Produkt ernst zu nehmen und es zu hinterfragen – und uns für Alternativen entscheiden, für die keine Mutter ihr Kind verlieren muss.


Cremig geht auch ohne Euter


Bei VLOVA glauben wir, dass cremiger Genuss kein tierisches Drüsensekret und keine Trennung von Mutter und Kind braucht. Deshalb machen wir unsere Bio-Cashew-Creme aus pflanzlichen Zutaten – streichzart, vielseitig und voller Geschmack.

Ohne Milch. Ohne Euter. Ohne Tier.



Quellen und weiterführende Informationen


Jetzt bist du gefragt: Würdest du Milch noch trinken, wenn auf der Packung „Euterdrüsensekret“ stünde? Schreib deine ehrliche Meinung in die Kommentare.

 
 
 

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